Sie gelten als Vorreiter in Sachen intelligente Textilien. Wie waren die Anfänge, als Sie die ersten Forschungen anstellten?

Grabher: Vor zehn Jahren haben wir mit der Entwicklung im Bereich Nanotechnologie begonnen. Vor fünf Jahren haben wir dann mit den Stickern Innovationsgruppen gebildet und uns die Möglichkeiten angeschaut, die wir mit der Technologie haben, vom Flugzeugbau bis hin zur Medizintechnik. Die Textilindustrie hat uns zu der Zeit schon belächelt. Erst als sichtbar war, dass das eine oder andere zu Umsätzen und Kontakten führt, wurde das Interesse größer. Mittlerweile stellen sich da sehr tolle Projekte ein. Ein Indiz für den Stellenwert, den wir in Vorarlberg haben, ist, dass wir bei den Technologietagen in Alpbach an zwei Tagen das Hauptthema waren.

Sie sind gerade in der Forschung Initiator und holen die anderen Textiler mit an Bord. Wäre es strategisch nicht besser, die Innovationen für sich allein zu beanspruchen?

Grabher: Wir haben ziemlich rasch gesehen, dass wir allein nur einen Teil des Weges gehen können. Wenn man zu einem Endprodukt möchte, braucht es das Know-how aller Beteiligten. Das ist Vorarlberg-untypisch und führte am Anfang zu Vorbehalten. Aber es hat sich herausgestellt, dass es für jeden etwas Neues ist und jeder einen Mehrwert hat.

Ein Textil muss immer mehr Aufgaben übernehmen, gibt es Grenzen?

Grabher: Eigentlich nicht. Fakt ist, dass wir uns heute nicht mehr ausschließlich mit dem Textil beschäftigen. Die Produkte sind eine Kombination aus Textil mit Kunststofftechnik, Elektronik oder Mechatronik.

 

In Vorarlberg wird viel im textilen Bereich geforscht. Hat man hier die Nase vorn oder wird die Forschung andernorts noch intensiver betrieben?

Grabher: Die stärkste Konkurrenz ist sicher Deutschland. Dort gibt es 17 Textilforschungsinstitute. Der Vorteil, den wir hier in Vorarlberg haben, ist, dass wir alle Technologien, die für die Entwicklung notwendig sind, im Umkreis von 30 Kilometern haben. So können wir alle relevanten Themen aufgreifen und einfach umsetzen. Das honorieren mittlerweile auch die großen Industriebetriebe. Ganz stolz sind wir darauf, dass wir eine Stiftungsprofessur für den Leichtbau bekommen – angegliedert am Institut für Textilchemie und Textilphysik in Dornbirn.

Gibt es auch im textilen Bereich Patente?

Grabher: Es gibt grundsätzlich zwei Philosophien. Teilweise werden Patente angemeldet, oft aber auch nicht, weil bei der Patentanmeldung die Entwicklung bis ins Detail publiziert werden muss und das ist nicht immer im Interesse des Erfinders. Wir haben in den letzten Jahren vier Patente angemeldet, Produkte sind aber viel mehr entstanden.

Die Grabher Group besteht aus mehreren Firmen. Wie kam es vom Textilbetrieb zur Unternehmensgruppe mit unterschiedlichen Spezialgebieten?

Grabher: Die letzten 19 Jahre haben wir fast genauso viele Kooperationen mit Unternehmen gemacht, um zusätzliches Know-how ins Unternehmen zu integrieren. Aus dieser Vielzahl wurden einige Firmen verschmolzen. Heute sind es noch sechs Unternehmen, die in ihrem Bereich spezialisiert sind. Von der klassischen Lohnveredelung bis hin zur Nanotechnologie. Die Textilindustrie tut sich schwer, in den klassischen Märkten neue Absatzmärkte zu finden. Darum muss man Nischen finden. V-Trion war ursprünglich unsere eigene Forschung und Entwicklung. Die haben wir vor zwei Jahren in ein gemeinnütziges Institut umgegründet, um auch für andere Betriebe zu forschen und so einen besseren Zugang zu Forschungsgeldern zu haben.

Wo sehen Sie die Branche in zehn Jahren? Werden dann überhaupt noch klassische Textilien produziert?

Grabher: Es gibt jene, die in ganz speziellen Nischen erfolgreich sind und die es auch noch in zehn Jahren geben wird. Im klassischen Bereich stehen viele aber unter Druck. Wenn man es nicht schafft, mindestens ein zweites Standbein aufzubauen, wird es sicher ganz schwierig.

Sie sind weltweit erfolgreich. Die Vorarlberger Textilindustrie war aber früher genauso rund um den Globus aktiv, bis man anderswo billiger produzieren konnte. Haben Sie die Angst, dass das wieder passiert?

Grabher: Grundsätzlich ja. Wenn bekannt wird, dass eine spezielle Nische boomt, wird sich das jeder, der die Möglichkeit hat, im Unternehmen das gleiche zu machen, genau anschauen. Da bleibt uns nur, unsere Produkte ständig weiterzuentwickeln, um immer eine Nasenlänge voraus zu sein.

 

Quelle: http://www.vorarlbergernachrichten.at/markt/2014/10/17/wir-muessen-immer-eine-nasenlaenge-voraus-sein.vn

 

 

 

 

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